Die Stiftung für Familienunternehmen in Deutschland und Europa
WELT-Währungskonferenz 2013
Über Wege, die aus der Schuldenkrise führen, diskutierte am 17. April dieses Jahres die WELT-Währungskonferenz, die seit 2011 jährlich von der Stiftung Familienunternehmen in Kooperation mit der Zeitungsgruppe organisiert wird.

Unternehmer, Politiker und Ökonomen – mehr als 200 Gäste – trafen sich zum dritten Mal im Journalisten-Club des Axel-Springer-Hochhauses zur WELT-Währungskonferenz, die in diesem Jahr stark im Bann der Zypern-Rettung stand. Am Tag danach stimmte der Bundestag über das neuerliche Rettungspaket ab. Die Diskussionen des Tages machten deutlich: Niemand glaubt an das Ende der Euro-Krise, dagegen wurde die dauerhafte Existenz der gemeinsamen Währung zunehmend in Zweifel gezogen.



Stiftungsvorstand Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes wies in seiner Begrüßung auf den schleichenden Vertrauensverlust in die Währung hin, ausgelöst durch das Management der Zypern-Rettung. „Wer alle Sparer ab einer bestimmten Grenze zur Verantwortung zieht, sät Misstrauen gegenüber der Verlässlichkeit von Geld“, mahnte er: „Das ist eine schlimme Hypothek für künftige Finanzkrisen.“

Ein kurzer filmischer Eindruck in die WELT-Währungskonferenz ist unter folgendem Link abrufbar:
» www.welt.de



Wie stabil ist die gemeinsame Währung noch? Wird die Europäische Zentralbank ihrem Auftrag gerecht, die Preisstabilität zu sichern, oder verführt ihre Geldpolitik Europas Regierungen wieder zur Nachlässigkeit? Und welchen Euro braucht die deutsche Wirtschaft? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Vormittags-Diskussionen auf der WELT-Währungskonferenz.


„Die Notenbank kann nur Zeit kaufen, doch die Politik muss die strukturellen Reformen vorantreiben“, verteidigte Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel die Politik von EZB und Bundesbank. Europa müsse strukturell weiterentwickelt werden, forderte er auf der WELT-Währungskonferenz, und warb gleichzeitig dafür, Europa nicht nur als ökonomisches, sondern auch als politisches Projekt zu verstehen.





Im mangelnden Reformwillen der Krisenländer verortete David Folkerts-Landau die Dauer der Krise. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank kritisierte mit Blick auf Frankreich: „Ein ökonomischer Stillstand und ein üppiger Wohlfahrtsstaat passen nicht zusammen!“. Kritisch beurteilte Folkerts-Landau die Forderung an die Adresse der EZB, erneut die Zinsen zu senken: „Das bringt nicht viel.“





Als „eine kalte Enteignung der Sparer“ bezeichnete Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Sie führe dazu, dass der Zins auf Spareinlagen niedriger ist als die Inflation.





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„Welchen Euro braucht die deutsche Wirtschaft?“ Diese Frage diskutierten (v.r.n.l.) Frank Straub, Vorsitzender des Verwaltungsrats der E.G.O. Blanc und Fischer Gruppe, Thomas Hoyer, Gesellschafter und Vorsitzender des Beirats der Hoyer-Gruppe, David Marsh, euro-kritischer Bankenmanager aus London und profunder Kenner der deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen, sowie Christian Freiherr von Stetten, MdB, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Die Moderation des Podiums übernahm Dr. Inga Michler, Wirtschaftsreporterin der WELT:

Als einen „Euro-Fighter“ bezeichnete sich Frank Straub. Für ihn als Unternehmer überwögen die Nutzen der gemeinsamen Währung. Er schränkte jedoch ein, dass die Politik „nicht um jeden Preis, nicht für alle und nicht zu allen Bedingungen“ am Euro festhalten solle. Für Thomas Hoyer, Gesellschafter und Vorsitzender des Beirats der Hoyer-Gruppe, hat die gemeinsame Währung „nur einen einzigen banalen Vorteil: Unser Berichtswesen ist einfacher geworden!“ Der – für die deutsche Wirtschaft – notwendige freie Handel sei auch ohne eine gemeinsame Währung gewährleistet gewesen, beispielsweise durch das Schengen-Abkommen. Diese Freihandelszonen gelte es weiter auszubauen.



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Wegen ihrer eurokritischen Haltung gelten beide als „Rebellen“ und „Abweichler“: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, und der grüne bayerische Landtagsabgeordnete Dr. Martin Runge (r.). In der Debatte darüber, ob sich die europäische Architektur in Zukunft in Richtung mehr oder weniger Europa entwickeln sollte, waren sich beide einig: Wichtige nationale souveräne Rechte dürften nicht nach Brüssel abgegeben werden. Dazu zählten nach Ansicht beider Politiker die Steuerpolitik, die Sozialgesetzgebung und das Haushaltsrecht. Trotzdem gebe es viele Politikfelder, wo sich gemeinsames Handeln bewährt habe wie in der Terrorismusbekämpfung, im Umweltschutz oder der IT-Sicherheit. „Wir befinden uns zwischen Baum und Borke, es ist nicht klar, wo die Reise hingeht“, konstatierte Wolfgang Bosbach.



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Das als „Streitgespräch“ angekündigte Podium am Ende der WELT-Währungskonferenz hielt, was sein Titel versprach: Zuweilen sehr lebhaft tauschten die Kontrahenten – der ehemalige Bundesbank-Vorstand Dr. Thilo Sarrazin (l.) und der Wirtschaftsweise Prof. Peter Bofinger von der Universität Würzburg – ihre Argumente aus. Sarrazin vertrat vehement seine Auffassung, die er bereits in seinem Buch darlegte: „Europa braucht nicht den Euro“. Die Rückkehr zur D-Mark sei aber auch nicht wünschenswert: „Zurück zum Ausgangspunkt ist nicht die richtige Lösung, wohl aber eine Rückkehr zum Wortlaut von Maastricht, der die Rettung von angeschlagenen Euro-Staaten gerade nicht vorsieht!“, argumentierte er. Dem setzte Peter Bofinger entgegen, dass der Maastricht-Vertrag als Stabilitäts- und Wirtschaftspakt bereits versagt habe. Stattdessen forderte er eine Währungsunion und eine integrierte Fiskalpolitik. Diese Option allerdings unterstützten nur wenige unter den anwesenden Gästen, wie eine spontane Nachfrage von Moderator Jörg Eigendorf, Mitglied der Chefredaktion der WELT-Gruppe, zeigte.