Die Stiftung für Familienunternehmen in Deutschland und Europa
Veranstaltung 2012
Tag des deutschen Familienunternehmens 2012 in Berlin:

Rund 350 führende Familienunternehmer kamen vom 14. bis 16. Juni nach Berlin, um sich mit Spitzenpolitikern auszutauschen. Beherrschendes Thema auf dem Tag des deutschen Familienunternehmens bildete die Staatsschulden- und Währungskrise. Hat die europäische Idee an Zugkraft verloren? Bleibt der Euro eine stabile Währung? Wie kann Deutschland seine industrielle Führungsrolle in Europa und der Welt erhalten? Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beantworteten diese Fragen während der Konferenz im Hotel „Adlon“ unterschiedlich.





In seiner Eröffnungsrede forderte Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes, eine Rückkehr zu dem in den EU-Verträgen vereinbarten Recht, darunter die Verantwortung jedes Staats für seine eigenen Schulden. „Was wir jetzt sehen, ist der Versuch, aus dem verantwortungslosen Umgang mit den Staatsfinanzen schlagende Argumente für eine politische Union oder zumindest für eine Fusion der Einlagensicherungssysteme der Banken abzuleiten,“ sagte er.

Der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen setzte eigene Vorschläge gegen bisherige Rezepte der Euro-Rettung: Die Krisenländer sollten besser ihre frühere Währung wieder einführen und abwerten. Dazu könne ein flankierender Schuldenschnitt kommen, der von den starken Ländern unterstützt werde.





Auch in diesem Jahr war Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel Gast beim „Tag des deutschen Familienunternehmens“. „Unsere Kontakte haben schon Tradition“, bemerkte sie bei der Begrüßung. In ihrer Rede bekräftigte sie zwar ihren Willen, den Euro-Raum zu stabilisieren, räumte jedoch gleichzeitig ein, dass diesem Bemühen Grenzen gesetzt sind: „Wenn Deutschland Europa dienen will – darauf richte ich meine Politik aus –, dann muss Deutschland seine Kräfte glaubwürdig einschätzen und darf sie nicht überschätzen. Alle Mittel, alle Maßnahmen, alle Pakete sind am Ende ohne Wert, wenn sie uns überfordern.“

» die komplette Rede der Kanzlerin.

Im wöchentlichen Video-Live-Stream der Bundeskanzlerin waren auch Impressionen ihres Besuchs beim „Tag des deutschen Familienunternehmens“ zu sehen.





Befreit von dem Druck der politischen Ämter gab der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Einschätzung auf die Wirkungen der „Agenda 2010“, deren Reformen für den späteren wirtschaftlichen Aufschwung „nur eine Rolle unter anderen“ gespielt habe, aber von großer psychologischer Bedeutung gewesen sei.





Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (mit dem Geschäftsführer der Stiftung, Stefan Heidbreder l.) warb auf dem „Tag des deutschen Familienunternehmens“ mit Humor und Schnoddrigkeit für die steuerpolitische Linie der SPD, zu der die Wiedereinführung der Vermögensteuer und eine höhere Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge gehören.





Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth hielt voller Verve ein Plädoyer für die europäische Einigung. „Wenn wir unsere Kräfte nicht bündeln, werden wir ums Leben kommen“, warnte der Vorsitzende des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe. Ausführlich sprach er über seine unternehmerischen Grundsätze, darunter die Erfahrung, dass Wachstum ohne Gewinn keine Perspektive bieten könne.





Der britische Botschafter in Berlin, Simon McDonald, hatte die Familienunternehmer am Vorabend zum “Tag des deutschen Familienunternehmens“ in das postmoderne Gebäude in der Berliner Wilhelmstrasse eingeladen. In seiner Rede bekräftigte er u.a. die Notwendigkeit der engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa, die aber nicht automatische eine Aufgabe der nationalen Zuständigkeiten nach sich ziehe. Vielmehr lege Großbritannien Wert auf das Subsidaritätsprinzip: „Jede Aufgabe soll so weit wie möglich von der Regierungsebene wahrgenommen werden, die den Menschen am nächsten ist.“





Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, analysierte in großer Offenheit die Eurorettung. Eine Vergemeinschaftung von Schulden als Eurobonds nannte er „Zinssozialismus“. Der frühere Bundeswirtschaftsminister ließ auch Skepsis durchblicken, ob alle Länder in Zukunft den Euro behalten könnten: „Meine persönliche Einschätzung ist, der Euro wird überleben. Ich bin mir aber nicht sicher, ob mit 17 Mitgliedern.“





Der tschechische Präsident Vacláv Klaus nutzte seine Ansprache beim festlichen Abendessen für eine harte Abrechnung mit Europa und dem Euro. Früher hätten seine Zuhörer nichts Negatives darüber hören wollen, er habe aber immer vor naivem Optimismus gewarnt. „Es wurde versprochen, dass die Währungsunion das Wirtschaftswachstum beschleunigen, die Inflation senken und vor allem ihre Mitgliedstaaten vor externen Störungen schützen wird“, beklagte er sich: Nichts davon sei eingetreten.





Der frühere Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin gab während des traditionellen Samstag-Brunches eine aktuelle Einschätzung der Euro-Krise. In seinem Impulsvortrag zog der Autor von „Europa braucht den Euro nicht“ den Sinn des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM in Zweifel: Den Ländern, die unter ihn schlüpften, werde Geld gezahlt, „damit sie das tun, was gut für ihr Land ist“.





Unter der Moderation der Journalistin Sabine Christiansen (M.) diskutierte Thilo Sarrazin (r.) mit dem Schriftsteller Hans-Magnus Enzensberger (l.), der die Streitschrift „Sanftes Monster Brüssel“ verfasst hat. Enzensberger kritisierte den Ruf nach „mehr Europa“ als höchst kurzsichtig: „Wir wissen doch nicht, was in dieser Schachtel drin ist“.





Die Dokumentation zum „Tag des deutschen Familienunternehmens“ wird Ende August auf der Homepage zum Download bereit stehen.


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